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Megatrends und ihre Bedeutung für die Hotellerie
Jetzt zum Jahresende ist der Zeitpunkt, um die vergangenen Monate noch einmal Revue passieren zu lassen und dann den Blick nach vorne zu richten. Welche Entwicklungen, Veränderungen und Neuigkeiten erwarten uns in den kommenden Jahren? Und was bedeuten diese für die (Wellness-)Hotellerie?

Über 20 Jahre nach dem Beginn des Wellness-Booms hat sich in der Branche das Umsatzwachstum verlangsamt. Nach den Zielgruppenerweiterungen der letzen Jahre – zunächst Männer, dann Familien – sind kaum noch neue Märkte zu erschließen. Trotzdem verzeichnen Hoteliers weiterhin ein gutes Wachstum, das vor allem darauf zurückzuführen ist, dass überzeugte Gäste häufiger als einmal im Jahr Wellness-Leistungen in Anspruch nehmen (Ergebnis der Wellness-Trends 2014 von Wellness-Hotels & Resorts und beauty24). Dabei sind die Erwartungen hoch, denn der erfahrene Gast weiß, dass ein Traumpool alleine noch kein Wellnesshotel macht. Wichtiger als die Hardware ist ein guter Service.
Ein echtes Lächeln und die von den Mitarbeitern ausgestrahlte Fachkompetenz tragen wesentlich zum Erfolg eines Hotels bei. Auch wenn sich diese Faktoren im Hinblick auf den Unternehmensgewinn nur schwierig messen lassen, geht es darum, sie zu erkennen und auszunutzen. „Die Branche sollte die MitarbeiterInnen nicht als reinen Kostenfaktor verstehen, sondern als Zugpferd(e) begreifen“, so Michael Altewischer, Geschäftsführer der Wellness-Hotels & Resorts. „Und diese Pferde möchten sich trainiert fühlen.“ Während im Sport jeder Amateur mit einem Trainer arbeitet, wird die Bedeutung von Schulungen und Trainings im beruflichen Kontext oft außer Acht gelassen.
Wellness-„Quickies“ mit Sofortwirkung
Neben diesen brancheninternen Faktoren wirken sich auch die großen gesellschaftlichen Entwicklungen - als Megatrends bezeichnet – auf die Hotellerie aus. Der schwedische Ökonom Dr. Kjell A. Nordström geht z.B. davon aus, dass 2030 ungefähr 80 % der Menschen in Städten leben werden. Innerhalb des Wellness-Marktes wird dadurch die Bedeutung der innerstädtischen Day-Spas gestärkt. Immer mehr Menschen wünschen sich kurze Wellness-Auszeiten (z.B. in der Mittagspause), von denen sie schnell sicht- und spürbare Ergebnisse erwarten. Gleichzeitig geht mit der Urbanisierung eine neue Sehnsucht nach der Natur einher. Wellness in Wald und Wiesen – vor allem die sportlichen Komponenten von geführten Wanderungen bis hin zu Outdoor-Kursen – stehen schon heute bei über der Hälfte der Wellness-Gäste hoch im Kurs.
Die demographische Entwicklung, der ökonomische Erfolg gut ausgebildeter Frauen und nicht zuletzt die hohen Scheidungsraten tragen dazu bei, dass immer mehr Menschen alleine leben. Nordström erwartet, dass in 30 Jahren 60% aller Haushalte Single-Haushalte sind. Das bedeutet für die Urlaubshotellerie, dass sie zunehmend Aufenthalte für Alleinreisende planen muss. Heute können diese zumeist zwischen einem Doppelzimmer zur Einzelnutzung oder einem winzigen, oft ungemütlichen Einzelzimmer wählen. Es geht also darum, aus dem Alltag bekannte Standards zu wahren und darüber hinaus spezielle Angebote für Alleinreisende zu schaffen, welche die Interaktion unter den daran interessierten Gästen erleichtern. Gerade die Wellness-Hotellerie ist hier gefragt, denn die soziale Eingebundenheit ist eine wesentliche Dimension von Wellness und für Gesundheit und Wohlbefinden eines jeden Menschen essentiell.
Ein gesunder und fitter Körper ist in unsere Gesellschaft von großer Bedeutung. Deshalb streben viele Menschen danach, stetig noch besser, sportlicher und effizienter zu werden. Immer neue technische Hilfsmittel unterstützen diese Selbstoptimierung. Sie messen die persönlichen „Leistungswerte“ in allen Lebensbereichen – von der Anzahl der täglich zurückgelegten Schritte, über die Menge der verzehrten Kalorien bis hin zur Qualität des Nachtschlafs. Aber was macht das Individuum mit dieser Datenflut? Wellnesshoteliers können hier Orientierung bieten und über die neuen technischen Möglichkeiten das Coaching aus dem Urlaub in den Alltag verlängern.
Aber nicht jeder möchte auch im Urlaub vernetzt sein. Die Gegenbewegung zur Selbstoptimierung ist eine Sehnsucht nach digitalen Auszeiten. Auch hier gilt es Angebote zu schaffen. „Es gibt kein Entweder-oder“, so Michael Altewischer. „Es sei denn, dass Ihr Konzept es vorsieht“. Der Wellness-Experte ist davon überzeugt, dass es für die Wellnesshotellerie nicht den einen richtigen Weg gibt. Vielmehr muss auch hier das Angebot zum Gesamtkonzept des Hauses passen.
Beim ITB Fachforum Wellness am Donnerstag, 5. März 2015 werden die erwähnten Themen aufgegriffen und vertieft. Dabei stellt unter anderem Neil Orvay sein in Hong Kong extrem erfolgreiches und mehrfach ausgezeichneten Day Spa-Konzept vor.