
Gar nicht so leicht, die Sache mit dem Gleichgewicht.
Als Kind war die erste große Gleichgewichtsherausforderung das Fahrradfahren. Wer erinnert sich nicht daran, wie Vater oder Mutter das Rad zum ersten Mal losließen und man - den Lenker noch unsicher nach links und rechts wackelnd - in die Pedale trat und nach einigen Metern nicht mit aufgeschürften Knien endete. Ich empfand das Fahrradfahren lernen damals als anstrengende Arbeit, es war mein erstes Projekt, damals, mit fünf Jahren.
Mit der Zeit wurde das „Gleichgewichthalten“ immer schwieriger. Nicht das Fahrrad stellte das Problem dar, sondern das Leben an sich. Schule, Studium, Beruf, das alles am Besten innerhalb von drei Jahren, bei der Bewerbung sollte man doch bitte 20 Jahre alt sein, 15 Jahre Auslandserfahrung mitbringen und drei Studiengänge abgeschlossen haben. Nichts leichter als das. Voller Euphorie und Freude startet man dann ins Berufsleben und plötzlich steht er da, dieser Begriff: Work-Life-Balance.
Die Balance zwischen der Arbeit und dem Leben. Aber gehörte die Arbeit nicht dazu? Schließlich verbringt man den größten Teil des Tages mit ihr. Der Kern ist, alle Aspekte des eigenen Lebens in ein Gleichgewicht zu bringen. Sei es Beruf, die Beziehung und Familie, Freunde und vor allem aber Zeit für sich selbst. Oft ist das leichter gesagt als getan. Das Abschalten nach dem Feierabend fällt manchmal schwer, am Wochenende werden die Emails gecheckt, Zeit zur Balance? Häufig Fehlanzeige.
Sich freie Zeit und zu gönnen, muß in manchen Fällen gelernt werden. Wir haben uns so sehr an das „Dauer-erreichbar-sein“ gewöhnt, dass der „OFF-Schalter“ kam noch zu finden ist. Ich glaube ja, dass es in meinem Fall derzeit nur manchmal einen OFF-Schalter gibt. Es fällt mir schwer, das Mobiltelefon wegzulegen oder gar auszuschalten. Meine Mutter sagt oft:“Pack das Blueberry weg“, dass mein Lieblingsaccessoire allerdings derzeit Blackberry heißt, interessiert sie nicht. Mich fasziniert es dann immer, dass ein Leben ohne SMS, Internet und diesen ganzen „neumodischen Heck-Meck“ scheinbar möglich ist. Im Urlaub und wenn ich am Wochenende ein gutes Buch lese oder spazieren gehe, fällt es mir leichter. Vielleicht sollte ich mal darüber nachdenken, denn als ich mich vor einiger Zeit mal wieder aufs Fahrrad schwingen wollte, war es nicht mehr da: Das Gleichgewicht aus Kindertagen.






